Bugatti im Homeoffice – Chef-Designer Achim Anscheidt

Molsheim
April 22, 2020

Bugatti im Homeoffice

Wie der Design-Chef im Homeoffice weiter kreativ an den Hypersportwagen arbeitet.

Lange Telefonkonferenzen und viele Stunden vor dem Bildschirm. Weit weg von außergewöhnlichen Hypersportwagen. Bugatti pausiert die Produktion seiner Fahrzeuge wie Chiron1 und Divo2 in Molsheim. Dennoch arbeiten viele Mitarbeiter weiter, nun im Homeoffice und unter Berücksichtigung der Empfehlungen der jeweiligen Behörden, internationaler Experten und Maßnahmen der Regierungen. Wie Achim Anscheidt, seit 2004 Chef-Designer von Bugatti.

Der 57-Jährige lebt mit seiner Familie in Berlin, pendelt im normalen Arbeitsleben zwischen dem französischen Molsheim und niedersächsischen Wolfsburg mit dem ICE. „Derzeit ist das natürlich nicht möglich, so dass ich meine Arbeit und das Design-Team von meinem Wohnort aus bestmöglich koordiniere“, erklärt Achim Anscheidt. Das läuft über viele Telefonkonferenzen – wie derzeit fast überall im Arbeitsleben üblich.

Damit die kreative Arbeit nicht im technisierten Arbeitsalltag untergeht, nimmt sich Anscheidt aktiv Raum für kreatives Denken und Arbeiten – in seinem kleinen Atelier unter dem Dach eines Berliner Altbaus. „Es ist für mich gleichermaßen Rückzugsort und Quelle der Inspiration. Hier kann ich neue Linien ausprobieren, an Themen gedanklich arbeiten und frische Ideen entwickeln. Es ist ein warmes und lichtdurchflutetes Atelier im Dachgeschoss, in dem ich mich wohl fühle und die heutigen Herausforderungen der sozialen Distanzierung und des „Skype for Business“ gut überstehe“, erklärt Achim Anscheidt.  Zumindest für eine gewisse Zeit.

Soweit möglich holt sich Achim Anscheidt derzeit Inspirationen von Menschen, die er - mit der erforderlichen Distanz - zum Gedankenaustausch trifft. Sein Berliner Bekanntenkreis besteht teilweise aus Künstlern, Musikern und Freischaffenden, die ihre kreative Arbeit in soziale Netzwerke verlegen oder auch ihr textiles Schnittatelier zur Fabrikation von Textilmasken kreativ umfunktionieren. „Jeder hat erkannt, dass es bei der Epidemie um ein höheres Gut geht. Es ist nun ein Füreinander verlangt, ohne das gesellige Miteinander und ein Bekenntnis zur mitmenschlichen Solidarität“, sagt er.

Menschlich ist auch der kreative Gestaltungsprozess. Er basiert oft grundlegend darauf, sich direkt und kontrovers mit Kollegen auszutauschen und sich damit gegenseitig zu fordern. Nicht selten eine Art „Trial and Error“-Prinzip. Es gilt, vorbehaltlos Ideen zu provozieren, auch auf die Gefahr hin, mal danebenzuliegen. „Design funktioniert nicht nach einem Excelsheet, im Gegenteil, manchmal ist es dringend notwendig, das Excelsheet in den Papierkorb zu werfen“, erklärt Anscheidt. Das sei der Punkt, wo das stille Kämmerlein zu Hause in der derzeitigen Isolation wenig förderlich wirke. „Diese Herausforderung via „Skype for Business“ zu bewältigen, verlangt uns viel ab“, ist er sich sicher.

 

Für das Modellieren und Verwirklichen virtueller Studien mit der exakten Linienführung und Proportionen ist bei Bugatti neben dem ständigen Diskurs zwischen den Designern auch die Technik entscheidend – und das aufwändige 3-D-Visualisierungsequipment steht stationär im verlassenen Designstudio. „Wir arbeiten mit Hochdruck am Design aktueller und künftiger Fahrzeuge, können aber derzeit nicht auf die hocheffizienten virtuellen Brillen zurückgreifen - eine Herausforderung zur Evaluierung von VR-Modellen. Daher machen wir uns täglich Gedanken, wie wir auch mit diesem Handicap unsere Arbeit zielgerichtet leisten können“, erklärt Anscheidt.

In einer kleinen und lichtdurchfluteten Holzhütte auf dem Dach seines Hauses erfreut sich Achim Anscheidt abends an den letzten Sonnenstrahlen. „Auch wenn es im April zeitweise noch kühl ist, genieße ich hier oben den Abend“, sagt er. Mit seinem restaurierten und speziell umgebauten historischen Porsche 911 fährt er derzeit selten. Ein historischer Bugatti Type 35 aus den 1920er-Jahren wartet zwar wegen fehlender Teile weiter auf die Restaurierung im Keller, dafür widmet sich Anscheidt so lange in seiner kleinen Fahrradwerkstatt vernachlässigten Fahrrädern, die er auf Flohmärkten erstanden hat, um sie nach etwas Fürsorge an seine Freunde zu verschenken. „Im innerstädtischen Berlin darf ruhig noch etwas mehr Fahrrad gefahren werden“, sagt Anscheidt mit einem Augenzwinkern. Vielleicht bald wieder mit weniger Abstand zueinander als im Moment.

 

1 Kraftstoffverbrauch, l/100km: innerorts 35,2 / außerorts 15,2 / kombiniert 22,5; CO2-Emission kombiniert, g/km: 516; Effizienzklasse: G

WLTP: Kraftstoffverbrauch, l/100km: niedrig 43,3 / mittel 22,2 / hoch 18,0 / besonders hoch 18,3 / kombiniert 22,3; CO2-Emissionen, kombiniert, g / km: 506; Effizienzklasse: G

2 Kraftstoffverbrauch, l/100km: unterliegt nicht der Richtlinie 1999/94/EG, da Gesamtbetriebserlaubnis derzeit noch nicht vorlieg

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[Translate to Deutsch:] Grocery cruise: “To remember what it feels like….. my private ride, 911 SC, 820 kg, as pure and minimal as it can get.”
Die Fahrt zum Supermarkt: „Um mich daran zu erinnern, wie es sich anfühlt ... mein privates Gefährt, 911 SC, 820 KG, so pur und minimal, wie es nur geht.“
[Translate to Deutsch:] Basement fun: „I enjoy picking up neglected bicycles from flea markets in order to fix them up in the evenings and give them as a present to friends and family.“
Freizeitvergnügen: „Ich kaufe gern vernachlässigte Fahrräder auf Flohmärkten, um sie in meiner Freizeit zu restaurieren. Nach getaner Arbeit schenke ich sie Freunden oder der Familie.“
[Translate to Deutsch:] Head of housekeeping: „My career as a designer started at the styling department at Porsche in 1994. A small part of my automotive soul always remained there.“
Frühjahrsputz: „Meine Karriere als Designer begann 1994 in der Styling-Abteilung von Porsche. Ein kleiner Teil meiner automobilen Seele blieb immer dort.“
[Translate to Deutsch:] Head of housekeeping: „My career as a designer started at the styling department at Porsche in 1994. A small part of my automotive soul always remained there.“
Frühjahrsputz: „Meine Karriere als Designer begann 1994 in der Styling-Abteilung von Porsche. Ein kleiner Teil meiner automobilen Seele blieb immer dort.“
[Translate to Deutsch:] Home office Inspirations: The original T 57 SC „La Voiture Noire“ is one of Achim Anscheidt’s surrounding Berlin apartment icons.
Inspiration im Home Office: Ein Modell des Original T 57 SC „La Voiture Noire“ ist eines von vielen Design-Highlights in Achim Anscheidts Berliner Apartment.

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